In der Zahn­arzt­pra­xis ge­ne­rier­te Um­sät­ze sind grund­sätz­lich um­satz­steu­er­frei. Vie­le Zahn­ärz­te ge­hen da­her da­von aus, dass in Zu­sam­men­hang mit in der Pra­xis an­fal­len­den Kos­ten kein Vor­steu­er­ab­zug mög­lich ist. Dass das Ge­gen­teil der Fall ist, hat der Bun­des­fi­nanz­hof mit Ur­teil vom 13. No­vem­ber 2019, Az. V R 5/18, fest­ge­stellt.

Ge­klagt hat­te ei­ne Au­gen­arzt-Ge­mein­schafts­pra­xis, die Um­bau­maß­nah­men in den an­ge­mie­te­ten Pra­xis­räum­lich­kei­ten vor­ge­nom­men hat­te. Den Bau­auf­trag in Form von u. a. Tro­cken­bau- und Elek­tro­ar­bei­ten (kei­ne An­schaf­fung von Ge­rät­schaf­ten etc.) ha­ben die Pra­xis­in­ha­ber in ei­ge­nem Na­men er­teilt. Der Ver­mie­ter ge­währ­te in die­sem Zu­sam­men­hang ei­nen Bau­kos­ten­zu­schuss in Hö­he von net­to 500.000 Eu­ro und ver­ein­bar­te mit den Pra­xis­in­ha­bern, dass im Fal­le der or­dent­li­chen Kün­di­gung des Miet­ver­tra­ges sämt­li­che Aus­bau­maß­nah­men ent­schä­di­gungs­los im Miet­ge­gen­stand ver­blei­ben. Im Fal­le ei­ner au­ßer­or­dent­li­chen Kün­di­gung (ver­ur­sacht durch das Ver­halt des Mie­ters), war die Er­stat­tung des Bau­kos­ten­zu­schus­ses ver­ein­bart.

An­schlie­ßend ga­ben die Pra­xis­in­ha­ber in der Um­satz­steu­er-Vor­anmel­dung steu­er­pflich­ti­ge Um­sät­ze in Hö­he von 499.999 an und mach­ten gleich­zei­tig die ihr von der Hand­werks­fir­ma in Rech­nung ge­stell­te Um­satz­steu­er als Vor­steu­er gel­tend.

Das Fi­nanz­amt ord­ne­te den An- und Ver­kauf der Ein­bau­ten le­dig­lich als Hilfs­ge­schäf­te ein. Da die Klä­ge­rin die Mie­ter­ein­bau­ten aus­schließ­lich für steu­er­freie Aus­gangs­um­sät­ze ver­wen­de, sei der Ver­kauf der Mie­ter­ein­bau­ten nach § 4 Nr. 28 UStG steu­er­frei und der Vor­steu­er­ab­zug nach § 15 Abs. 2 UStG aus­ge­schlos­sen. Die in Rech­nun­gen ge­son­dert aus­ge­wie­se­ne Um­satz­steu­er schul­de die Klä­ge­rin nach § 14c Abs. 2 UStG.

Der BFH schloss sich die­ser Auf­fas­sung nicht an. So heißt es im Leit­satz des Ur­teils:

1. Ein Mie­ter, der in an­ge­mie­te­ten Räum­lich­kei­ten Ein- und Um­bau­ten (“Mie­ter­ein­bau­ten”) im ei­ge­nen Na­men vor­neh­men lässt, kann die ihm hier­für von Bau­hand­wer­kern in Rech­nung ge­stell­te Um­satz­steu­er im Fal­le ei­ner ent­gelt­li­chen Wei­ter­lie­fe­rung an den Ver­mie­ter als Vor­steu­er ab­zie­hen.

2. Ei­ne Wei­ter­lie­fe­rung liegt je­den­falls dann vor, wenn er dem Ver­mie­ter nicht nur das zi­vil­recht­li­che Ei­gen­tum über­trägt, son­dern auch ei­nen un­mit­tel­bar von die­sem tat­säch­lich ge­nutz­ten wirt­schaft­li­chen Vor­teil zu­wen­det.“

Zum Ur­teil: https://www.bundesfinanzhof.de/de/entscheidung/entscheidungen-online/detail/STRE201910274/

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